Es ist sehr schlimm wenn man keine eigene Meinung hat....

 

Gerade letzte Woche hatte ich erneut ein Gespräch mit einer Person, die offensichtlich keine eigene, nachvollziehbar entwickelte Auffassung vertreten konnte.

Stattdessen wurden Ansichten Dritter nahezu ungeprüft übernommen und mit einer Selbstverständlichkeit wiedergegeben, als handele es sich um unumstößliche Tatsachen.

Dabei bestand zugleich die feste Überzeugung, mit diesen übernommenen Aussagen uneingeschränkt im Recht zu sein, obwohl genau diese Aussagen unter Umständen geeignet gewesen wären, erhebliche persönliche oder sogar rechtliche Konsequenzen nach sich zu ziehen.

Ich habe daher unmissverständlich klargestellt, dass ich mich von solchen fremd übernommenen Behauptungen ausdrücklich distanziere und diese weder inhaltlich teile noch unterstütze.

Ebenso habe ich deutlich gemacht, dass ich keine Grundlage für eine weitere Tätigkeit sehe, solange keine eigenständige Auseinandersetzung mit der jeweiligen Problematik erfolgt und keine persönliche, reflektierte Haltung erkennbar ist.

Verantwortung setzt zwingend voraus, dass Menschen eigenständig denken, Sachverhalte kritisch prüfen und die Folgen ihrer Aussagen selbst einschätzen können.

Wer lediglich Parolen, Meinungen oder Behauptungen anderer übernimmt und weiterverbreitet, ohne diese selbst hinterfragt zu haben, entzieht sich letztlich seiner eigenen Verantwortung.

Besorgniserregend ist insbesondere die zunehmende Tendenz, die eigene Urteilsfähigkeit vollständig an Dritte abzugeben.

Anstatt Informationen kritisch zu prüfen, werden Aussagen übernommen, wiederholt und verteidigt, häufig ohne jede sachliche Reflexion oder tatsächliche Kenntnis der Hintergründe.

Offenbar glauben manche Menschen ernsthaft, sie würden dadurch Vorteile erlangen, dass sie sich den lautesten oder populärsten Stimmen anschließen.

Genau hierin liegt jedoch eine erhebliche Gefahr, wer dauerhaft darauf verzichtet, sich eine eigene Meinung zu bilden, macht sich abhängig von den Ansichten anderer und verliert schrittweise die Fähigkeit, eigenständig zwischen richtig und falsch, zulässig und unzulässig oder Wahrheit und bloßer Behauptung zu unterscheiden.

Selbstverständlich entsteht ein solches Verhalten nicht ohne Ursachen.

Viele Menschen suchen Orientierung, Zugehörigkeit oder einfache Antworten in einer zunehmend komplexen Gesellschaft, gerade deshalb ist eigenständiges Denken heute wichtiger denn je.

Eine Meinung sollte niemals allein deshalb übernommen werden, weil sie häufig wiederholt wird, von bestimmten Personen stammt oder in bestimmten Kreisen Zustimmung erhält.

Maßgeblich sollte ausschließlich sein, ob man eine Auffassung selbst geprüft, verstanden und verantwortungsbewusst bewertet hat.

Nach verschiedenen Recherchen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung Schwierigkeiten hat, eine tatsächlich eigenständige Meinung zu entwickeln und stattdessen stark von äußeren Einflüssen geprägt ist (ca. 50%).

Ob konkrete Prozentzahlen belastbar sind, ist dabei zweitrangig. Entscheidend ist vielmehr die erkennbare gesellschaftliche Entwicklung: „Immer mehr Menschen übernehmen fremde Ansichten ungeprüft, ohne deren Inhalt, Herkunft oder mögliche Konsequenzen kritisch zu hinterfragen.“

Gerade darin liegt ein erhebliches Risiko, wer fremde Meinungen ungeprüft übernimmt, läuft Gefahr, Aussagen zu verbreiten oder Positionen zu vertreten, deren Tragweite und mögliche Folgen nicht einmal ansatzweise verstanden wurden.

Im schlimmsten Fall können solche übernommenen Ansichten persönliche, gesellschaftliche oder sogar rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Daher sollte sich jeder ernsthaft die Frage stellen: „Ist es Bequemlichkeit, mangelnde Eigenverantwortung oder der Wunsch nach einfacher Orientierung, der Menschen dazu bringt, andere für sich denken zu lassen?“

Weshalb wird bereitwillig übernommen, was andere vorgeben, obwohl dies häufig weder objektiv überprüfbar noch zwangsläufig zutreffend ist?

Eigenständige Meinungsbildung ist ein hohes Gut.

Sie darf weder durch Gruppenzwang noch durch ideologische Vorgaben oder die Einflussnahme Dritter ersetzt werden.

Niemand sollte sich seine Gedanken, Überzeugungen oder Bewertungen vollständig von anderen diktieren lassen, denn am Ende trägt jeder Mensch die Verantwortung für seine eigenen Aussagen und Entscheidungen selbst, nicht diejenigen, deren Meinungen lediglich übernommen wurden.

Genau darüber sollte dringend wieder mehr nachgedacht werden

Kommentare

  1. Oh Herr Schöpe, wieder einmal haben Sie ein Thema genau auf den Punkt gebracht! Es ist wirklich sehr interessant, wie Sie dieses Thema analysiert und auseinandergenommen haben.

    Wie Sie wissen, arbeite ich auch heute noch in der Sparte, in der Sie damals tätig waren. Wir hatten uns ja bereits darüber unterhalten, wie häufig Menschen erscheinen, die jemanden „im Schlepptau“ haben, der für sie sprechen oder uns seine eigene Meinung aufdrängen möchte. Dabei kann und darf letztlich nur die betroffene Person selbst ihre Anliegen vortragen.

    Genau wie Sie handhabe ich es ebenfalls so, dass ich die dritte Person bitte, sich zurückzuhalten oder gegebenenfalls den Raum zu verlassen. Gott sei Dank haben wir diese Möglichkeit.

    Menschen ohne eigene Meinung oder ohne den Mut, diese selbst zu vertreten, sind für mich ein absolutes rotes Tuch. Sie haben das, wie so oft, wieder treffend formuliert und mir damit aus der Seele gesprochen.

    Vielen herzlichen Dank auch dafür!

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  2. Peter, da hast du wirklich ein hervorragendes Thema angesprochen.

    Weißt du noch, wie früher manchmal ganze Gruppen erschienen sind, nur um einen Ausweis zu beantragen?

    Und wie wir dann alle anderen erst einmal freundlich, aber bestimmt auffordern mussten, den Raum zu verlassen?

    Nicht selten mussten wir sogar die Polizei hinzuziehen, weil die Situation völlig aus dem Ruder lief.

    Oft hatte man das Gefühl, dass die Antragstellenden bevormundet wurden. Andere wollten bestimmen, wie etwas zu laufen hat, obwohl es am Ende nur um eine einfache Unterschrift ging.

    Die eigene Meinung der betroffenen Person ging dabei häufig völlig unter, weil von allen Seiten auf sie eingeredet wurde.

    Eigentlich taten uns diese Menschen oft leid. Gleichzeitig war das gesamte Amt jedes Mal im Ausnahmezustand, laut, hektisch und teilweise kaum zu glauben, ich denke, Klarissa wird das sicher ebenfalls bestätigen können.

    Und ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass sich daran bis heute viel geändert hat.

    Heute muss man allerdings sehr aufpassen, dass man nicht sofort in eine bestimmte Ecke gestellt wird, obwohl man doch einfach nur seine Erfahrungen schildert.

    Dabei wollten wir immer helfen und waren stets bemüht, freundlich und hilfsbereit zu sein, aber bei einer solchen Menschenmenge war das oft kaum möglich, obwohl vieles eigentlich ganz unkompliziert hätte ablaufen können.

    Dass manche Menschen, ein, ich sage sehr viele Menschen keine eigene Meinung vertreten oder sich stark von anderen beeinflussen lassen, sehe ich heute eher als Ergebnis ihrer Erziehung oder ihres Umfelds.

    Aber dein Beitrag ist wirklich hervorragend geschrieben und auch bei vielen deiner anderen Beiträge gehe ich vollkommen mit. Du beschönigst nichts, sondern sprichst offen und ehrlich aus, wie du die Dinge wahrnimmst. Genau das macht deine Beiträge so lesenswert.

    Mach bitte weiter so! Dein alter Kollege und Kamerad

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