Die Bundesregierung trägt selbst Verantwortung für die finanzielle Krise der Pflegekassen.

 


Ich sehe die geplanten Reformen von Gesundheitsministerin Nina Warken kritisch.

In der Pflegeversicherung fehlen laut aktuellen Schätzungen bis 2029 rund 22,5 Milliarden Euro. Als Ursache nennt die Ministerin unter anderem die steigende Zahl der Pflegebedürftigen, darunter auch Kinder und Jugendliche mit ADHS. Besonders diese Aussage sorgt bei Patientenschützern und Sozialverbänden für deutliche Kritik.

Aus meiner Sicht trägt jedoch auch die Bundesregierung selbst Verantwortung für die finanzielle Krise der Pflegekassen.

Eugen Brysch von der Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert, dass der Bund Kosten aus der Corona-Zeit bislang nicht an die Pflegeversicherung zurückgezahlt habe.

Außerdem fordert er, dass Leistungen für pflegende Angehörige sowie Ausbildungskosten künftig aus Steuermitteln finanziert werden. Dadurch könnte die Pflegeversicherung seiner Meinung nach sofort um rund neun Milliarden Euro entlastet werden.

Besonders problematisch finde ich die Diskussion über mögliche Einschränkungen bei den Pflegegraden. Warken argumentiert, dass seit der Reform von 2017 deutlich mehr Menschen Anspruch auf Leistungen hätten, weil der Pflegebegriff erweitert wurde. Dadurch würden heute auch Gruppen berücksichtigt, die früher nicht erfasst waren, etwa Kinder mit ADHS oder anderen Beeinträchtigungen.

Kritiker warnen jedoch davor, ausgerechnet pflegebedürftige Kinder für das Defizit verantwortlich zu machen.

Viele betroffene Familien seien auf Pflegegrad 2 oder 3 angewiesen, weil ihre Kinder erhebliche Unterstützung im Alltag benötigen. Sollte die Bundesregierung Leistungen kürzen, müsse klar erklärt werden, wie diese Familien künftig entlastet werden sollen.

Auch die Die Linke lehnt die bisherigen Reformideen ab. Sören Pellmann wirft der Ministerin vor, Einsparungen bei den Schwächsten vorzubereiten, statt grundlegende Reformen anzugehen.

Er fordert eine Pflegevollversicherung, in die alle einzahlen, auch Besserverdienende.

Zudem kritisiert er, dass Kinder in der Debatte zu „Sündenböcken“ gemacht würden, obwohl sie nur einen kleinen Teil der Pflegebedürftigen ausmachen.

Hier interessante Links:

„Volksverdummung“ – Kritik an Warkens Begründung für Milliarden-Lücke in der Pflegeversicherung

Pflegeversicherung: Gutverdiener sollen auch hier mehr zahlen

VdK-Präsidentin Bentele "Zuallererst erwarte ich, dass der Bundeskanzler so etwas nicht sagt"


Kommentare

  1. Lieber Herr Schöpe,

    gut, dass Sie dieses Thema ansprechen.

    Wie lange sollen Pflegegeldempfängerinnen und Pflegegeldempfänger sowie pflegende Angehörige diese Belastungen noch tragen?

    Währenddessen scheinen diejenigen mit hohen Einkommen von den Entscheidungen kaum betroffen zu sein.

    Bereits während der Corona-Zeit wurden erhebliche Mittel aus der Pflegekasse zur Finanzierung anderer Aufgaben verwendet, Gelder, die von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Rentnerinnen und Rentnern eingezahlt wurden.

    Viele Menschen empfinden das als ungerecht und nun stehen erneut höhere Belastungen im Raum.

    Da stellt sich zwangsläufig die Frage, wohin sich unser Sozialstaat entwickelt.

    Es überrascht daher nicht, dass manche Menschen aus Enttäuschung und Frust politischen Randgruppen zulaufen, auch wenn fraglich bleibt, ob diese tatsächlich Lösungen für die Probleme von Pflegebedürftigen, Menschen mit Behinderungen und pflegenden Angehörigen anbieten.

    Gerade diese Gruppen finden sich in vielen politischen Programmen nur unzureichend berücksichtigt.

    Die entscheidende Frage bleibt deshalb: „Wo wird diese Entwicklung noch hinführen?“

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